Prinz kam als Küken zusammen mit den anderen Küken Tapsi, Maxi und Mini zu uns. Wir haben sie von einem Züchter aus unserem Ort geholt. Die vier zogen am 14.04.2006 zusammen mit unseren Zimmer-Wellis Willi & Maja in die Außenvoliere.
Prinz war im März 2006 geschlüpft. Sein Farbschlag: normal graugrün. Leider erlebte unser kleiner Prinz seinen 2. Geburtstag wegen einem tragischen Unfall nicht mehr.
Prinz war ein ganz ruhiger Geselle was Federlose betrifft. Wenn ich die Voli betrat hielt er sich eher im Hintergrund auf und kam ganz selten mal für ein Stück Hirse auf die Hand. Er hüpfte allerdings schon mal auf meinen Arm, wenn gerade einer seiner Hennen dabei war meine Jacke zu erkunden. Da trieb ihn seine Neugierde doch zu mir.
Der Hennenwelt gegenüber war Prinz sehr offen. Er war sozusagen der Casanova in der Voli. Seine Haupthenne Tapsi betütelte er bis zum letzten Tag. Maja war seine Zweithenne, die er auch ab und zu mal fütterte und kraulte. Mit Maxi und Lucy flirtete er manchmal ebenfalls sehr heftig. Er ließ sozusagen nichts anbrennen. Prinz hatte aber auch ganz viele gute Kumpels in der Voli. Er verstand sich mit allen Hähnen super gut und unterhielt sich viel mit ihnen.
Prinz und seine Tapsi
Prinz liebte auch Maja

Nachdem sich Prinz Mitte Januar 2008 wieder sehr gut von einer bakteriellen Infektion erholt hatte, war er wie das blühende Leben. Er sabbelte den ganzen Tag lang mit allen seinen guten Freunden in der Voli - hier mit Jerry.

Leider nur für vier Wochen, denn als ich am 13.02.2008 morgens in die Voli kam merkte ich, dass Prinz starke Gleichgewichtsprobleme hatte. Während er Tapsi fütterte fiel er oft von der Stange aber fing sich zum Glück im Flug wieder. Wäre er ein Mensch gewesen hätte ich gesagt, dass er betrunken ist, so taumelte er. Als ich mittags von der Arbeit kam hatte sich der Zustand nicht gebessert und deshalb fuhr ich mit ihm sofort zum vogelkundigen Tierarzt.
Da es Prinz bis auf die Gleichgewichtsprobleme sehr gut ging, war sich der TA sicher, dass er zu große Hoden hatte, die auf die Nervenstränge drücken und dadurch den Gleichgewichtssinn störten. Er meinte, dass dieses Problem öfter bei Welli-Hähnen vorkommt. Da er sich seiner Diagnose sehr sicher war, gab er ihm eine Hormonspritze und sagte mir, dass er in zwei Tagen wieder fit ist, wenn die Hoden wieder ihre normale Größe erreicht hätten. Das röntgen wollte er Prinz ersparen. So setzte ich Prinz gleich nach dem TA-Besuch wieder in die Innenvoli und er flog auch sofort los um seine Tapsi zu füttern. Er war zwar immer noch wackelig auf den Beinen aber er kam zu Tapsi und konnte sie füttern, kraulen und mit ihr schnäbeln.
Statt besser ging es Prinz am nächsten Tag richtig schlecht. Mal abgesehen von seinen Gleichgewichtsstörungen, die sich verstärkt hatten, war er dazu nun auch noch in einer sehr schlechten Verfassung. Er wollte mit den anderen nichts mehr zu tun haben, saß aufgeplustert da und schlief. Ich machte mir große Sorgen um den kleinen Mann und verließ die Firma schon gegen Mittag um mit Prinz sofort zum TA fahren zu können. Als ich Zuhause war und die Innenvoli betrat, sah ich dass Prinz sich mit letzter Kraft auf einem Ast hielt. Sein Schnabel war im Gitter eingehakt, damit er nicht zu Boden stürzte. Prinz war so schwach, dass ich dachte er überlebt die Fahrt zum TA nicht.
Dort angekommen, wurde er gleich geröngt und der TA sah, dass ein großes Etwas seine Organe nach oben schob, was die Gleichgewichtsstörungen verursachte. Was das war konnte der TA nicht genau sehen. Er tippte auf einen Tumor. Da Prinz für eine Operation zu schwach war und ein so großer Tumor in den meisten Fällen sowieso nicht heilbar ist, beschlossen wir ihn einzuschläfern. Der TA fragte mich, ob er Prinz nach dem einschläfern öffnen dürfte. Ich brach in Tränen aus und wollte das nicht. Mein geliebter Prinz sollte würdevoll bei den anderen Wellis begraben werden. Der TA meinte, er würde gerne wissen, was das unheimliche Etwas in Prinz war und versprach mir, ihn auch danach zu zunähnen, damit ich ihn wieder mitnehmen konnte. Ich war so fertig, dass ich keine Kraft mehr hatte mit dem TA zu diskutieren und nickte nur. Der TA ging aus dem Zimmer, damit ich mich von Prinz verabschieden konnte. Ich sagte ganz leise seinen Namen und er guckte mich noch einmal aus ganz schwachen Augen an, die sofort wieder zufielen. Dieses Mal war ich leider nicht so stark um dabei zu bleiben bis Prinz eingeschlafen war. Nach unserer Verabschiedung ließ ich Prinz und den TA alleine und heulte im Wartezimmer vor mich hin.
Wie sich dann herausstellte, hatte Prinz keinen Tumor. Das unheimliche Etwas in Prinz war ganz viel Blut. Er muss tagsüber oder nachts vor Schreck irgendwo heftig gegen geflogen sein und hat sich dabei innere Verletzungen zugezogen, an denen er langsam verblutete und wir haben ihm zum Glück das Schlimmste erspart. Ich habe von diesem tragischen Unfall nichts mitbekommen. Es war also richtig ihn aufzumachen. Ich bin beruhigt, dass ich das Richtige getan habe und der TA hat für die nächsten kranken Wellis etwas dazu gelernt.
Mein kleiner Spatz wäre im März 2008 zwei Jahre alt geworden. Er hatte nur ein kurzes aber dafür sehr schönes und erfülltes Leben mit vielen Hennen, die er abwechselnd beglückt hat. Außerdem musste er nicht lange leiden, damit muss ich mich wohl trösten. Das Leben einer Federlosen ist doch manchmal sehr traurig.
Besonders schlimm war für mich der folgende Morgen als Tapsi laut schreiend in der Außenvoli saß und Prinz vermisste. Sie flog immer rein und raus und suchte ihn. Einen Tag später hatte sie Prinz allerdings schon vergessen und ließ sich von Flip anbalzen. Sie rief auch nicht mehr nach ihm.
Mein kleiner Prinz, so ich werde dich für immer in lieber Erinnerung behalten!

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