Anfang Januar 2007 guckte ich mal wieder ins Forum des VWFD und da sah ich eine Anzeige, dass sich jemand von 6 seiner Wellis trennen musste. Da mir leider durch den Auszug von Max & Speedy und den Tod von Coco drei Hähne fehlten, entschied ich mich dafür, Sprax, Joey und Charly trotz der Jahreszeit ein neues Zuhause zu geben. Am 09.01.2007 zogen die 3 bei uns ein.
Hier ein Bild aus dem Quarantänekäfig

Normalerweise kann man Stubenwellis nicht im Winter in die Außenvoli setzen. Aber da der Winter 2006 /2007 besonders warm war, habe ich eine Ausnahme gemacht. Wir hatten 3 Wochen lang draußen 9 - 12 Grad. Meine Heizung der Innenvoli war so eingestellt, dass die Temperatur nicht unter 12 Grad fallen konnte. Als die drei einzogen habe ich die Temperatur noch 3 Grad höher gedreht (15 Grad) und dann langsam (pro Woche 1 Grad) wieder auf 10 Grad sinken lassen. Die Minusgrade kamen zum Glück erst Anfang Februar und da fiel die Temperatur auch nicht sehr stark unter 0. Die drei Wellis hatten sich auf jeden Fall sehr gut eingewöhnt.
Charly war zu dem Zeitpunkt, als er im Alter von 3 Jahren zu uns kam, der einzige Halbstandard im Schwarm. Sein Farbschlag: rezessiver Schecke Gelbgesicht hellblau. Charly war ein ganz ruhiger und lieber Kerl, der jedem Streit aus dem Weg ging. Für Hirse tat er alles, da kam er sogar sofort zu Fremden auf die Hand. Aber sonst mochte er die Federlosen nicht so sehr.

Bei den Damen kam er nicht so gut an. Ab und zu versuchte er mal ein Gespräch anzufangen, aber er bekam immer einen Korb. Also blieb er lieber bei den normal blauen, bei seinem besten Kumpel Joey und Willi. Mit Willi hielt er auch öfters mal ein Schwätzchen.

Im Frühjahr 2008 verliebte sich Charly total in Tiffy, doch die hatte nur ein Herz für ihren Jerry. Charly gab aber nicht auf und balzte sie immer wieder an.

Da Charly bei Tiffy nicht landen konnte, hatte er sich nach einer anderen Dame umgeguckt. Seit Januar 2009 war er nun mit Maxi zusammen. Bei den beiden hatte der Frühling so zugeschlagen, dass Maxi im Februar sogar damit anfing Eier zu legen. Ich hatte Mühe und Not Maxi davon abzubringen. Nach dem 11. Ei hörte sie zum Glück endlich auf.
Charly und Maxi waren unzertrennlich. Sie hingen wie Kletten aneinander.


In der Zeit, wo Charly mit Maxi zusammen war, wurde er auch mir gegenüber immer zutraulicher. Besonders wenn er Hunger auf Hirse hatte, kam er mir schon entgegen geflogen, wenn ich über den Hof zur Voliere ging. In der Voliere wurde ich den kleinen Kerl gar nicht wieder los.

Erst nach ein paar Stückchen Hirse war Charly zufrieden und flog dann wieder zu seiner Maxi, um sie zu füttern. Charly liebte sie über alles.

Er folgte ihr überall hin, wie ein Schatten.

Ende Dezember 2009 merkte ich, wie Charly immer ruhiger wurde. Er zwitscherte nur noch ganz selten und kümmerte sich nicht mehr so viel um seine Maxi. Meistens schlief er tagsüber in der Innenvoli und hatte Durchfall. Das guckte ich mir nur 2 Tage lang an und fuhr dann sofort mit ihm zum vogelkundigen Tierarzt. Bei Charly wurde eine bakterielle Untersuchung durchgeführt und der Tierarzt stellte fest, dass Charly zu viele Styphylokokken in seinem Kot hatte. Darauf hin sollte ich ihm 10 Tage Antibiotikum täglich in den Schnabel geben. Charly war ein lieber Patient, den man nicht großartig fangen musste. Ich pflückte ihn jeden Morgen von der Stange seines Krankenkäfigs und gab ihm das Medikament in den Schnabel. Das war sehr einfach, denn Charly wehrte sich nicht, sondern öffnete den Schnabel, wenn ich ihm die Plastikspritze zwischen den Schnabel drückte. Als das Antibiotikum nach 5 Tagen noch keine Wirkung zeigte sprach ich nochmals mit dem Tierarzt. Der gab mir dann eine andere Art von Antibiotikum mit, das aber leider nach ein paar Tagen ebenfalls keine Wirkung zeigte.
Da Silvester vor der Tür stand, fuhr ich mit Charly wieder zum Tierarzt. Er wurde geröngt und per Ultraschall untersucht. Der Tierarzt stellte einen großen Hodentumor fest, der Charly`s Gedärme verdrängt hatte und der den Durchfall verursachte. Deshalb fühlte sich der kleine auch so unwohl. Der Tierarzt riet mir zu einer OP, weil es dem kleinen Welli-Mann noch nicht besonders schlecht ging und er mit 48 g noch recht gut im Futter stand. Natürlich ließ ich nichts unversucht um meinem kleinen Spatz zu helfen und stimmte der OP für den nächsten Tag zu, auch wenn ich irgendwie kein gutes Gefühl dabei hatte.
Am 30.12.2009 war es dann soweit und ich nahm Charly samt Krankenkäfig mit, damit ich ihn nach der OP nicht von der Transportbox in den Käfig umsetzen musste. Da ich immer noch dieses ungute Gefühl im Bauch hatte, verabschiedete ich mich auf der Fahrt zum Tierarzt von Charly obwohl ich hoffte, dass ich ihn lebend wieder sehe. Der kleine Mann hatte so einen großen Lebenswillen, dass war unglaublich. Er futterte die halbe Fahrt über sein Näpfchen fast leer und zwitscherte mich sogar noch kurz an. Ich musste erstmal rechts ran fahren, weil ich vor lauter Tränen gar nichts sehen konnte. Es war mal wieder so grausam!!!! Als ich mich beruhigt hatte, fuhren wir weiter und ich gab Charly bei der Arzthelferin ab.
Gegen 12:00 Uhr rief ich in der Praxis an und fragte wie es Charly geht. Mir wurde gesagt, dass die OP noch nicht beendet wurde. Eine halbe Stunde später erfuhr ich dann, das Charly nicht überlebt hatte. Der Hodentumor entpuppte sich zum Nierentumor, der einen Durchmesser von 2 cm hatte und 5 g schwer war. Der Arzt hatte Schwierigkeiten die Gefäße wieder zu schließen, weil sich der Tumor ganz hinten befand. Während der Arzt dabei war die Gefäße wieder miteinander zu verbinden, hörte Charly`s Herz auf zu schlagen.
Der kleine Charly hinterlässt eine trauernde Federlose, die schon wieder an ihrem Hobby zweifelt. Ich tröste mich damit, dass Charly in seinem 6 Jahre langen Leben 3 wunderschöne Jahre bei uns verbracht hat. Das letzte Jahr hatte er sogar noch eine feste Patnerin, die ihn allerdings gar nicht vermisst. Maxi war schon mit Flip fest verpaart, als Charly noch im Krankenkäfig saß. So viel zum Thema Wellis sind sich ein Leben lang treu! Aber so leidet Maxi wenigstens nicht. Außerdem tröstet es mich, dass es Charly nur 1,5 Wochen schlecht ging und ich ihn vor starken Nierenschmerzen bewahren konnte.
Lieber Charly, du wirst für immer als lebensfroher und liebenswerter Zwitscher-Welli in meinem Herzen weiter leben. Du warst in den letzten Monaten gegenüber den Federlosen sehr aufgeschlossen und bist immer neugierig auf die Hand gekommen um zu sehen, ob es ein Leckerli gab. Oft bist du mir schon in der Außenvoliere am Gitter entgegen gekommen, wenn ich aus der Haustür kam, dich rief und über den Hof ging. Du hinterlässt eine große Lücke bei den Zwitscher-Wellis und ich werde dich großen Kuschel-Welli nie vergessen.

nach oben
